Abschied von Indien
So, dies wird jetzt wohl mein letzter Blogeintrag aus Indien, denn morgen geht der Flug Richtung Heimat. Ich freu mich sehr euch alle wieder zusehen, aber andererseits bin ich auch sehr traurig drüber, dass ich jetzt gehen muss. Ich hatte eine unglaublich tolle Zeit hier mit den Kindern und den Schwestern. Wer weiß, wann ich sie wieder sehen werde, denn mit 18 Jahren müssen die Kinder das Kinderheim verlassen (eine Vorgabe von der Regierung) und wann ich die Schwestern wieder treffe, ist auch so eine Sache. Die Schwestern müssen nämlich ungefähr alle 3 Jahre die Stationen wechseln. Ein Wiedersehen ist also ungewiss und das macht schon etwas traurig.
Jetzt aber noch einmal zu den Geschehnissen der letzten Zeit. Am 7. Januar 2011 ging es mit dem Zug nach Goa. Schon allein diese Zugfahrt war ein Highlight. Wir (eine Freundin und ich) hatten jeder eine Liege in einer etwas höheren Klasse, da wir ja mit Gepäck gereist sind. Zuerst habe ich gedacht, wenn ich in Indien mit dem Zug gefahren bin, werde ich mich nie wieder über die DB beschweren, aber so im Nachhinein… So ist z.B. immer jemand vorbeigekommen bei dem man Tee oder Kaffee kaufen konnte, aber auch Leute mit Frühstück, Mittagessen, Abendbrot oder Snacks. Außerdem war das Essen echt gut, nicht so ein billiges Essen wie in Deutschland. Ein weiteres Highlight bei der Zugfahrt waren die offenen Türen. Es ist wirklich unglaublich, man kann sich einfach so bei einem fahrenden Zug an die offene Tür stellen oder setzen und rausgucken. Wurde natürlich auch gleich gemacht, geht in Deutschland ja schließlich nicht. Am Anfang war noch ein gesunder Respekt vorhanden, der ist mit der Zeit aber verflogen. Wenn der Zug zwischendurch mal gestoppt hat, hieß es aussteigen und auf den Gleisen spazieren gehen. AMAZING!!
Goa hat mich sehr beeindruckt. Es ist ein wunderschönes Gebiet mit ganz vielen Palmen, Flüssen, Seen und natürlich dem Arabischen Meer! Wir waren mehr im Landesinneren und somit nicht umgeben von Touristen, die es ja in Goa leider viel zu viel gibt. Ich dachte, dass die Inder mehr an Touristen gewöhnt sind, tja falsch gedacht. Als wir nämlich an den Strand gefahren sind, warnen innerhalb kürzester Zeit eine Horde Inder um uns herum. Ich möchte anmerken, dass wir nicht im Bikini waren, sondern Hose und T-Shirt anhatten. Sie fanden es wohl sehr interessant, dass wir damit schwimmen gegangen sind, dabei gehen auch manche Inderinnen, vor allem in Goa in Hose und T-Shirt schwimmen. Als sie dann irgendwann nur noch knapp 3 m mit ihren Handys von uns weg standen und ganz dreist Fotos machten, ist es uns dann zu viel geworden und die Schwestern haben sie zusammengestaucht. Mich hat das ganz schön geschockt und ich habe mich auch sehr unwohl gefühlt, trotz Hose und T-Shirt. Diese Aufdringlichkeit und Unverfrohenheit finde ich ganz schön heftig.
Eins der besten Erlebnisse das wir in Goa hatten, war unser „Wir benehmen uns wie ein Affe“ Nachmittag. Eigentlich wollten wir uns nur das Gelände von den Schwestern in Rivona angucken. Auf dem Weg dorthin fanden wir dann eine Kokosnuss und hatten es uns in den Kopf gesetzt diese mit unseren Händen zu öffnen. Wir hatten es vor ein paar Tagen schon mal geschafft. An einem kleinen Bächlein mit riesigen Steinen angekommen, versuchten wir dann versucht erst mal die äußere Schale abzubekommen. Auf einem Stein hockend und mit einem spitzen Stein in der Hand, sind wir uns fast wie Affen vorgekommen. Gar nicht so leicht diese blöde äußere Schale zu entfernen. Nach einiger Zeit und viel Kraftaufwand haben wir es aber geschafft und mit einem kleinen, spitzen Stein haben wir dann ein Loch in die Kokosnuss gebohrt und die Milch getrunken. Diese Vorgehensweise war schon sehr primitiv, vor allem auch, weil es dafür Werkzeuge gibt, aber so hat es uns einen riesigen Spaß gemacht.
Nach Goa stand Delhi auf dem Plan. Die Fahrt dauerte ungefähr 30 Std. und hat genau so viel Spaß gemacht, wie die nach Goa. Wir haben auch wieder eine Menge netter Leute getroffen. Der erste Eindruck von Delhi war aber schrecklich. Kaum waren wir aus dem Zug gestiegen, wollte ich wieder zurück nach Mumbai. Im Laufe der Tage ist das Gefühl auch nicht besser geworden. Ich kann nicht wirklich sagen warum, aber ich finde Delhi fürchterlich. Das „International Youth Hostel“ in dem wir die ersten zwei Nächte schliefen, war im Diplomatenviertel. Dieser Bereich und eigentlich ganz New Delhi ist total britisch, ich glaube das war’s, was mich so überfordert hat. 3 ½ Monate im typischen Indien zu leben und dann in einen Bereich zu kommen, der so anders ist, der so westlich erscheint aber dennoch indisch ist, deprimiert einen schon ziemlich. Außerdem kann man in Delhi niemandem trauen, also wirklich niemandem, die wollen dich nur abziehen und bescheißen dich ohne Ende. Soll jetzt aber nicht heißen, das Delhi nur der Horror war, denn es gab auch schöne Dinge. Unser zweites Quartier lag in einer Gegend, die schon viel besser oder besser gesagt für mich viel angenehmer war, da es dort indischer war. Außerdem haben wir einen Ausflug nach Agra gemacht, um uns das Taj Mahal anzugucken. Das war schon ziemlich krass! Selbst als wir davor standen, konnten wir es nicht glauben, dass das vor uns nun wirklich das Taj Mahal ist. Trotzdem war ich sehr froh, als es wieder nach Mumbai ging und die ganze Autofahrt vom Flughafen zu den Schwestern musste ich lächeln, da ich so froh war wieder „Zuhause“ zu sein.
Ich habe sehr viele tolle Sachen hier in Indien erlebt, leider in der letzten Woche auch nicht so schöne, da wir einen Todesfall hier hatten, mit dem niemand gerechnet hat und der uns alle schwer erschütterte. Aber auch das habe ich zusammen mit den Schwestern und Kindern bewältigt. Die Kinder, Postulaten und Schwestern sind mir so ans Herz gewachsen, dass ich im Moment eigentlich gar nicht gehen möchte und eine Sache ist sicher, ich werde so schnell wie möglich wieder hierher kommen!
Ich freu mich sehr, euch alle ganz bald wieder zu sehen!
Ganz viel Liebe aus dem sonnigen Indien
Clara